Pre-existing high glucocorticoid receptor number predicting development of posttraumatic stress symptoms after military deployment
van Zuiden, M., Geuze, E., Willemen, H. L.D.M., Vermetten, E., Maas, M., Heijnen, C. J., Kavelaars, A. (2011). American Journal of Psychiatry, 168 (1), 89-96
Van Zuiden et al. konnten nachweisen, dass eine vorbestehende hohe Anzahl von Glucocorticoidrezeptoren (GRs) in peripheren mononukleären Blutzellen (PBMCs) einen Vulnerabilitätsfaktor für die Entwicklung von PTBS-Symptomen darstellt.
Hierfür untersuchten sie die Bindungskapazität von Leukozyten für Dexamethason zur Messung der GR-Anzahl vor sowie einen und sechs Monate nach Militäreinsatz. Probanden waren Militärangehörige mit ausgeprägten PTBS-Symptomen sechs Monate nach dem Einsatz sowie Kontrollen ohne schwere PTBS- oder depressive Symptome, die bzgl. Alter, Dienstgrad, vorherigen Einsätzen, Bildung und Funktion während des Einsatzes parallelisiert wurden. Die Anzahl der GRs war bei denjenigen Probanden, die nach dem Einsatz ausgeprägte PTBS-Symptome entwickelten, vorher signifikant höher als bei den Kontrollen. Das Risiko, nach dem Einsatz an PTBS zu erkranken, erhöhte sich um das 7,5fache bei jedem Anstieg der GR-Anzahl um 1000. Die vorbestehende höhere GR-Anzahl bei den PTBS-Patienten bestand weiterhin bei beiden Messungen nach dem Einsatz.
Die Autoren fanden keine Gruppen-Unterschiede bzgl. der mRNA-Expression von GR-?, GR-P, GR-?, (was darauf hindeutet, dass die höhere GR-Anzahl bei den PTBS-Patienten durch posttranskriptionelle Mechanismen entstand) sowie keine Unterschiede bzgl. der beiden GR-Zielgene Glucocorticoid-induzierter Leuzin-Zipper (GILZ) und Serum- und Glucocorticoid-induzierbare Kinase-1 (SGK-1) sowie des FK506 Bindungsproteins 5 (FKBP5).
Da für die Erfassung der PTBS-Symptome keine strukturierten Interviews verwendet wurden, muss man als Einschränkung der Studie beachten, dass sich in der Gruppe der PTBS-Patienten auch Personen mit einem subklinischen Niveau von PTBS-Symptomen nach DSM-IV befunden haben könnten.
Außerdem hatten die Probanden der PTBS-Gruppe fast zweimal so viele potentiell traumatische Ereignisse während ihrer Kindheit erlebt als die Kontrollen. Auch wenn dies nicht in Zusammenhang mit der Anzahl der GRs stand, könnte es in Kombination mit einer höheren GR-Menge einen Einfluss auf die Entwicklung einer PTBS nach Militäreinsatz gehabt haben.
Van Zuiden et al. schlussfolgern aus ihren Ergebnissen, dass eine hohe GR-Anzahl in PBMCs möglicherweise einen Biomarker für ein erhöhtes Risiko einer PTBS nach Traumakonfrontation darstellt.



