Schreibtherapie über das Internet für arabisch sprachige PatientInnen

Wissenschaftliche Ergebnisse zum virtuellen Behandlungszentrum Ilajnafsy

Inzwischen gibt es in westlichen Ländern eine sehr gute Befundlage zu internet-gestützten kognitiv- verhaltenstherapeutischen Interventionen zur Behandlung von psychischen Störungen, darunter Depression und Posttraumatische Belastungsstörung (Ruwaard et al., 2011). Diese Konzepte wurden nun im Ilajnafsy Projekt erstmals bei kriegstraumatisierten Menschen im Mittleren Osten, die sich noch in den Krisengebieten befinden, wirkungsvoll erprobt (Knaevelsrud et al., 2015). Ilajnafsy (http://ilajnafsy.bzfo.de) ist ein internetbasiertes psychotherapeutisches Angebot, das seit 2008 von arabischen PatientInnen, die an einer Depression oder an Traumafolgestörungen leiden, genutzt werden kann – direkt im Heimatland, in der aktuellen Konfliktsituation. In einer vorangegangenen Pilotstudie wurde dafür ein kognitiv-verhaltenstherapeutisches Behandlungsmanual zur Schreibtherapie über das Internet aus den Niederlanden („Interapy“) für den arabischen Kulturraum adaptiert (Wagner et al., 2012).

Die Wirksamkeit des Behandlungsansatzes unter Verwendung dieses Manuals wurde inzwischen in einer randomisierten Kontrollgruppenstudie untersucht (Knaevelsrud et al., 2015).  Es konnte eine signifikante Symptomreduktion für die PTSD nachgewiesen werden, obwohl sich die StudienteilnehmerInnen noch in Krisenregionen befanden. Der Behandlungserfolg ist vergleichbar mit Effekten, die in Studien zur internetbasierten psychotherapeutischen Behandlung in westlichen Population gefunden werden konnten. Ebenso vergleichbar ist die dabei erhobene therapeutische Beziehung, die als positiv beschrieben wurde (Wagner et al., 2012).

Dies vor dem Hintergrund, dass es in den Ländern, in denen sich die Studienteilnehmer befanden, eine unzureichende medizinische, psychologische und psychotherapeutische Versorgung, sowie einen aktuellen Konflikt gibt. Durch zahlreiche Menschen, die in den letzten Monaten in Europa Schutz gesucht haben, gibt es inzwischen auch hierzulande massive Lücken in der psychosozialen Versorgung von Flüchtlingen, darunter auch eine unzureichende psychologische, psychotherapeutische und psychiatrische Versorgung, insbesondere in ländlichen Gegenden. Die Studienergebnisse des Ilajnafsy Projekts weisen darauf hin, dass der Einbezug von internetbasierten Angebote in diesem Bereich eine zielführende und höchst wirksame Antwort auf diese Versorgungslücke darstellen kann.

Literatur

  • Knaevelsrud, C., Brand, J., Lange, A., Ruwaard, J., & Wagner, B. (2015). Web-Based Psychotherapy for Posttraumatic Stress Disorder in War-Traumatized Arab Patients: Randomized Controlled Trial. Journal of Medical Internet Research, 17(3).
  • Ruwaard, J., Lange, A., Schrieken, B. & Emmelkamp, P. (2011). Efficacy and effectiveness of online cognitive behavioral treatment: a decade of interapy research. Stud Health Technol Inform. 167:9-14.
  • Wagner, B., Brand, J., Schulz, W., & Knaevelsrud, C. (2012). Online working alliance predicts treatment outcome for posttraumatic stress symptoms in Arab war-traumatized patients. Depression and Anxiety, 29(7), 646–651.
  • Wagner. B., Schulz, W. & Knaevelsrud. C (2012). Efficacy of an Internet-based intervention for posttraumatic stress disorder in Iraq: a pilot study. Psychiatry Res;195(1-2):85-88.