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Das dunkle Nest

Ein Fernsehfilm zu einem aktuellen und brisanten Thema: Ein Priester steht unter schwerem Verdacht.

"Für mich ist sexueller Missbrauch eine Form von Mord - und zwar ein Seelen-Mord", sagt Christian Berkel (im ZDF-Film "Das dunkle Nest", mit Petra Schmidt-Schaller). Bild: ZDF/Caro von Saurma

Kein Maßstab natürlich, aber es sagt schon etwas darüber aus, was in den vergangenen Jahren in diesem Land passiert ist: Gibt man beim Suchdienst Google „Priester unter Verdacht“ ein, erhält man auf Anhieb 120.000 Treffer, stellt man das Wort „Pfarrer“ an den Anfang, sind es noch 11.000 mehr. Ein Experiment, das sich mit diversen einschlägigen Wortkombinationen erweitern lässt - absoluter Rekord sind wohl die 1.060.000 Hits bei „Missbrauch, katholische Kirche“ ...

Unter dem Titel „Das dunkle Nest“ hat Regisseurin Christine Hartmann nach einem Buch von Andreas Dirr einen Thriller von größter Relevanz und Brisanz gedreht, der vor dem Hintergrund der zahlreichen öffentlich gewordenen Fälle von sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche fraglos große Beachtung finden wird. Dass man dieser Geschichte das Wissen der Macher um die Sensibilität ihres schwierigen Stoffes jederzeit anmerkt, ist dann auch das Einzige, was man gegen sie vorbringen könnte. Gleichzeitig macht es den Film aber auch aus, dass er offenbar seriös recherchiert ist und den Versuch unternimmt, das finstere Thema so objektiv es in einem solchen Rahmen eben geht, auszuleuchten.

Wie Schauspieler Christian Berkel die Rolle eines unter schweren Anschuldigungen stehenden Provinzpriesters ausfüllt, wie er ihn leiden lässt und zugleich Würde verleiht, das ist alleine schon sehenswert. Ein Gottesmann am Abgrund - er wankt unter dem Druck, aber man hat nicht eine Sekunde das Gefühl, er könnte abstürzen. 

„Kinderficker“, haben sie eines Morgens an seinen Wagen geschmiert, und irgendwann brennt sogar das Pfarrhaus. Aber der solchermaßen attackierte Jesuitenpriester Dr. Gabriel Reinberg schluckt auch das mit weitgehend stoischer Miene. Die Stimmung in dem kleinen Ort hat sich mehr und mehr hochgeschaukelt, seit das furchtbare Ereignis alle aufgeschreckt hat: Lydia (Chiara Feldberger), ein zwölfjähriges Mädchen, wurde ermordet. Der nackte Körper der Kleinen wurde in einem verschneiten Waldstück gefunden, und mit Verdächtigungen sind die Einheimischen schnell bei der Hand: Der neue Pfarrer! 

Liest man nicht überall davon, was in der katholischen Kirche los ist? Und dann die Fakten: Reinberg hat sich in seiner Zeit als Gefängnisseelsorger schon mal für einen Sexualstraftäter eingesetzt - der nach seiner Freilassung prompt ein Mädchen ermordete. Außerdem war der Priester zuletzt mit Lydia gesehen worden - in seiner Wohnung, abends. Nur Latein-Nachhilfe, oder war da mehr? Ganz offensichtlich schwärmte das Mädchen für den attraktiven Mann im Talar. 

Aufgehetzt vom Vater des Mädchens (Johann von Bülow) und ihrem kantigen Opa (Peter Lerchbaumer), einem mächtigen Unternehmer, macht bald das ganze Dorf Front gegen Dr. Reinberg. Einzig die ermittelnde Kommissarin Esther Fromm (Katharina Müller-Elmau) bleibt skeptisch. Sie und ihr Assistent Etzer (Andreas Schmidt) lassen einen DNA-Test aller männlichen Bewohner des Ortes durchführen. Das Ergebnis ist schockierend: Die Spuren stimmen mit der DNA des Pfarrers überein. Aber es gibt in diesem Spiel eine Figur, die zwischen den Fronten steht, die das Ruder im letzten Moment noch herumreißen könnte - Lydias Mutter, eine Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs, ein naives, zerbrechliches Zünglein an der Waage, von Petra Schmidt-Schaller grandios zur zweiten großen Figur in dieser Geschichte stilisiert. 

Frank Rauscher

 

Weitere Informationen

Zum Beitrag in der ZDF Mediathek 

Zur Seite der KirchenVolksBewegung für Opfer sexualisierter Gewalt in der Kirche: 'Wir sind Kirche'

Zur Seite 'hilfe-missbrauch.de' der Katholischen Kirche 

 

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