Der Delphinjunge
Die bewegende Doku des Schweizer Fernsehens erzählt die Geschichte eines schwer traumatisierten jungen Arabers, der durch seine Beziehung zu Delphinen lernt, wieder zu vertrauen.
Verschiedene wissenschaftliche Arbeiten belegen, dass Tiere als «Therapeuten» bei unterschiedlichsten Traumata, Handicaps oder Krankheiten eingesetzt werden können. Die Dokumentation «DOK - Der Delphinjunge», die nun bei SF 1 gesendet wird, zeigt die Geschichte des jungen Arabers Morad. Er wurde aufgrund einer Gewaltattacke durch eine Gruppe junger Männer schwer traumatisiert. Eine intensive Beziehung zu den Meeressäugern ermöglichte, dass er wieder lernte, Vertrauen zu fassen.
Zunächst ist Morad aus Kalanswa im Norden Israels ein ganz normaler Jugendlicher, der sich von seiner Familie geliebt fühlt. Er ist mit seinen Freunden unterwegs und findet als Klassenbester genügend Zeit, um ausgiebig Sport zu betreiben. Doch eines Nachts wird er von den Brüdern einer Klassenkameradin brutal zusammengeschlagen. Diese sind der Meinung, er habe eine Affäre mit dem Mädchen.
Die physischen Verletzungen können geheilt werden. Aber er spricht nicht mehr und zieht sich völlig zurück. Alle Versuche, ihn zu heilen, scheitern. Als letzte Alternative zur Einlieferung in die Psychiatrie verkauft sein Vater seine Pferderanch, um eine Behandlung mit Delphinen in Eilat am Roten Meer bezahlen zu können.
Und Morad fasst tatsächlich Vertrauen zu den Meeressäugern - sehr langsam zeigen sich kleine Erfolge: Er beginnt wenigstens wieder zu sprechen. Aber nun gibt es für ihn nur noch die Delphine. An den Vorfall und an seine Vergangenheit kann er sich nicht mehr erinnern. Er will weder nach Hause zurück noch irgendwelchen Kontakt zu seiner Mutter. Aber sein Vater gibt ihn nicht auf und ist immer in seiner Nähe.
Über mehrere Jahre hat das Filmteam den Jugendlichen begleitet und dokumentiert seine ungewöhnliche Beziehung zu den Tieren, dank derer er langsam auch wieder Vertrauen zu Menschen aufbauen kann. Der Film von Dani Menkin und Yonatan Nir zeigt eindringlich wie verheerend sich menschliche Gewalt auf die Seele auswirken kann. Doch tierische «Therapeuten» und menschliche Liebe bieten manchmal auch heilende Kräfte.
Autor: Ernst Seibold
Mit freundlicher Genehmigung von teleschau | der mediendienst
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