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Die Lehrerin

Ein eindrucksvolles und dabei unaufgeregtes Psychodrama über eine Lehrerin, die nach einem Amoklauf an ihrer Schule ihre berufliche Frustration überwindet, indem sie der traumatisierten Schulklasse hilft und so wieder Sinn in ihrer Arbeit findet.

Andrea (Anna Loos, links) glaubt fest daran, dass ihre Freundin Katja (Meret Becker) gesund wird. Doch da ist sie die Einzige ... Bild von: ZDF / Christoph Assmann

Gruppentherapie im Schulgarten

Andrea (Anna Loos) hat genug. „Dieser Job, der saugt mir den letzten Blutstropfen aus. Ich bin müde, wenn ich nur dran denke! Wenn ich die Schüler sehe, dann kommt mir die Galle hoch!“ Klar eigentlich - sie muss kündigen. Ihre Freundin und Kollegin Katja (Meret Becker) sieht das ganz anders, aber das ist auch kein Wunder: Die flippige Pädagogin ist Lehrerin aus Leidenschaft, sie liebt ihre Schüler und ist beliebt bei ihnen. „Reden wir noch mal drüber?“ Doch zum klärenden Gespräch kommt es nicht mehr. Ein Schüler läuft Amok, Katja wird schwer verletzt und fällt ins Koma. Zurück bleibt Andrea, zutiefst verstört - aber pflichtbewusst: „Die Lehrerin“ nimmt sich Katjas traumatisierter Klasse an. ARTE zeigte das bewegende Psychodrama 2011 bereits in einer Erstausstrahlung, nun zieht das ZDF nach.

Es ist nicht leicht: Die Kinder misstrauen nach dem Amoklauf einander - und der ungeliebten Lehrerin erst recht. Auch Andrea fällt es anfangs schwer, unbefangen auf die Klasse zuzugehen. „Die Wahrscheinlichkeit, dass heute wieder einer kommt und auf nen Lehrer schießt, liegt bei eins zu einer Million“, sagt sie - aber wie wahrscheinlich war es denn, dass ausgerechnet die beliebteste Lehrerin der Schule niedergeschossen wird? Dazu kommt der Stress mit völlig hysterischen Eltern.

Immerhin ist Andrea nicht ganz allein. Sie wird unterstützt von Dr. Weininger (Axel Prahl verströmt die wohltuende Ruhe eines Psycho-Buddhas), der den Lehrern als Traumatherapeut zur Seite steht - und von Katja. Mit ihrer Freundin bespricht Andrea ihre Sorgen: Um den kleinen Schulhofdiktator, der sich gerade auf ein neues Mobbing-Opfer einschießt. Um das schwangere Mädchen, das mit 14 Jahren fest entschlossen ist, eine Familie zu gründen. Um den Schulgarten, den sie gemeinsam mit der Klasse anlegt, der aber immer wieder nachts zerstört wird. Andrea lernt in diesen Gesprächen viel von ihrer Freundin und kommt der Klasse bald näher. Gemeinsam kämpfen sie sich zurück in den Alltag. Aber warum glauben weder die Schüler noch die Kollegen daran, dass Katja jemals wieder an die Schule kommen wird?

Regisseur Tim Trageser machte zuletzt unter anderem mit dem Familiendrama „Wohin mit Vater?“ (2010) auf sich aufmerksam, für das er bereits mit Anna Loos zusammenarbeitete. Auch bei „Die Lehrerin“ entschied er sich für Loos als Hauptdarstellerin - eine gute Wahl: Loos überzeugt mit ihrer Darstellung von Andreas No-nonsense-Attitüde ebenso wie mit den plötzlichen Momenten verwirrter Verletzlichkeit, die immer wieder durch die Fassade brechen. Meret Becker ordnet sich als unbeschwerte Katja der Geschichte unter und bietet den perfekten Gegenpol zur verkrampften Andrea.

Trageser wiederum verzichtet in seiner Inszenierung dankbarerweise auf allzu großes Pathos ebenso wie auf unterkühlte Psychoanalysen. Stattdessen wirkt bei ihm die absolute Ausnahmesituation fast erschreckend normal - und gerade dadurch realistisch. Andreas schmerzhafter, aber heilsamer Weg zurück in den Alltag und die Realität wird auf diese Weise nachvollziehbar und ergreifend. „Die Lehrerin“ lehrt: Unaufgeregtheit kann sehr aufregend sein.

Sabine Metzger

 

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