"Der schwarze Mann" - Jagd nach dem Kindermörder von Dennis
Fast zwei Jahrzehnte jagte die "Soko Dennis" einen pädophilen Serienmörder. Weil Martin N. nicht ins Muster typischer sexueller Straftäter passte, blieb er lange unentdeckt.
Sein Abitur bestand er mit der Note 1,5. Dem Lehramtsstudium, das er mit Auszeichnung abschloss, folgte der Job in einer Kindertageseinrichtungen, die ihn auch als Familienbetreuer einsetzte. Kollegen beschreiben ihn bis heute als freundlich, kompetent und intelligent. Sogar ein Pflegekind, das er übrigens niemals „anfasste“, wird Martin N. von Amts wegen anvertraut. Im April 2011 verhaftete die „Soko Dennis“ jenen Martin N., der die Morde an drei Jungen gestand. Sie wurden zwischen 1992 und 2001 zu seinen Opfern. 40 weitere Fälle von sexuellem Missbrauch werden ihm zur Last gelegt, darunter weitere bislang ungeklärte Morde. Zum Prozessbeginn gegen Martin N. rollt die „ZDFzoom“-Reportage von Stefan Aust und Daniel Hartung einen der spektakulärsten Fälle der deutschen Kriminalgeschichte noch einmal auf.
Dass es ihn wirklich gab, jenen „schwarzen Mann“, einen Pädophilen, der nachts maskiert in Kinderzimmer und Jugendheime eindrang, stand lange fest. In Norddeutschland trieb er 19 Jahre lang sein Unwesen. Soko-Chef Martin Erftenbeck und Profiler Alexander Horn wissen heute, warum die Taten des 40-Jährigen so lange unentdeckt bleiben konnten. Martin N. führte ein perfektes Doppelleben. Er praktizierte, so die Ermittler, das Prinzip der „doppelten Buchführung“. Vordergründig war N. ein engagierter, sozial kompetenter Pädagoge. Tatsächlich aber verbarg sich hinter dem zuletzt in Hamburg-Harburg allein lebenden Mann ein Pädophiler, der seine Taten akribisch plante und seine Opfer umbrachte, damit sie ihn nicht belasten konnten.
Die Kriminalgeschichte beginnt im Februar 1992, doch erst 2001, nach dem Mord an Dennis Klein, gelingt es der Polizei, einen Zusammenhang zwischen den Taten herzustellen - die „Soko Dennis“ wird gegründet. Auf die Spur des Täters geraten die Ermittler allerdings erst 2010, als sich nach einer TV-Reportage ein Zeuge meldet, der Dennis kurz vor seinem Tod noch lebend in einem Auto sah. Kurz vor Prozessbeginn gehen Stefan Aust und Daniel Hartung der Frage nach, warum Martin N. so lange unentdeckt bleiben konnte. Die Autoren sprechen mit Ermittlern, Missbrauchsopfern und Angehörigen der Opfer.
Eric Leimann
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