Tatort Diskothek
Immer öfter schalten skrupellose Täter ihre meist weiblichen Opfer mit K.O.-Tropfen aus, um sich an ihnen zu vergehen. Der Nachweis, was wirklich passiert ist, fällt häufig schwer. Aufklärung tut Not.
Es ist ein Kampf gegen einen schrecklichen Verdacht - und gegen die Zeit. Nach durchschnittlich sechs, spätestens jedoch acht Stunden sind die letzten Spuren einer teuflischen Droge im Körper der unschuldigen Opfer abgebaut und jeder Versuch, eine kriminalistische Beweisführung aufzubauen, ist deutlich erschwert. Die Zahl der Missbrauchs- oder Vergewaltigungsfälle, bei der die gewissenlosen Täter die gefürchteten „K.O.-Tropfen“ zum Einsatz bringen, ist in den letzten Jahren rapide angestiegen. „Tatort Diskothek“, die neue Dokumentation aus der „ZDFzoom“-Reihe, möchte schon allein deswegen aufrütteln, weil es vielen Opfern extrem schwerfällt, über ihr Schicksal zu sprechen. Zu groß sind Scham- und Schuldgefühle.
Eine fürchterliche Vorstellung, Lebenszeit verloren zu haben - hilf- und willenlos in den Händen eines Fremden: „Was in diesen zwei Stunden passiert ist, weiß niemand“, klagt die 20-jährige Vanessa. Vor zwei Jahren wurde sie zusammen mit zwei weiteren Frauen in einer Diskothek betäubt und sexuell missbraucht. Die Sorge, was genau während der Zeit passiert war, als sie der heimlich verabreichte Drogen-Cocktail außer Gefecht gesetzt hatte, bereitet der jungen Frau noch heute Albträume. „Das macht mir am meisten Angst“, sagt sie und hofft noch immer auf Aufklärung. „Dann wüsste ich wenigstens, was ich verarbeiten muss.“
Filmemacher Max Rachals und sein Team haben für die verstörende TV-Reportage mehrere Fälle von zum Teil schwer traumatisierten jungen Frauen recherchiert, die mit K.O.-Tropfen überrumpelt wurden. Kriminelle nutzen die Phase der Bewusstlosigkeit, die häufig mit Gedächtnisverlust einhergeht, um ihre Opfer auszurauben oder Schlimmeres mit ihnen anzustellen. Einmal aus der künstlichen Ohnmacht erwacht, fällt es vielen Betroffenen schwer, genau zu rekonstruieren, was in ihrer „Abwesenheit“ passiert ist. Die Zahl derjenigen, die überhaupt den Weg in eine Krankenhaus-Notaufnahme oder direkt zur Polizei einschlagen, ist erschreckend gering, wie der ZDF-Film zeigt.
Rupert Sommer
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zum Beitrag in der ZDF mediathek
Website von K.O.-Tropfen "Nein Danke"
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