ARD mediathek

Wie Kinder wieder lachen lernen

Traumatherapie für kleine Patienten

Andreas Krüger erklärt Nicolas, was ein Trauma mit dem Gehirn macht und wie man es wieder heilt. Bild: NDR/5|14 Film GmbH

Der Film von Psychologie-Expertin Liz Wieskerstrauch begleitet drei traumatisierte Kinder im Alter von zwei, elf und 15 Jahren während ihrer Therapie. Die 15-jährige Lilly hat den Todessprung eines Mannes vor die U-Bahn miterlebt. Nicolas ist elf und musste als Kleinkind sehen, wie seiner Mutter von ihrem damaligen Partner Gewalt angetan wurde. Und dann ist da noch der zweijährige Lorenz, der wegen einer schlimmen Mittelohrentzündung eine schmerzhafte Behandlung über sich ergehen lassen musste. Alle drei sind Patienten beim Hamburger Arzt Andreas Krüger, der die imaginativen Methoden der Traumatherapie bei seiner Arbeit mit Kindern anwendet. Die 45-minütige Dokumentation von Liz Wieskerstrauch begleitet in ruhigen Bildern und Gesprächen die Therapie der Kinder über einen längeren Zeitraum.

Das, was sie erlebt haben, ist so unterschiedlich wie ihre Reaktion darauf. Lilly war Zeuge eines tödlichen Unfalls. Nach dem ersten Schock schien sich ihre Stimmung wieder zu normalisieren. Doch dann wurde das Mädchen immer stiller und zurückgezogener. Sie bekam Ängste und weinte nachts im Bett, berichtet die besorgte Mutter der Kamera. Nicolas, eigentlich ein kluger, sanftmütiger „Musterjunge“, fing plötzlich an, andere Kinder zu schlagen. Als Vierjähriger wollte er seine Mutter mit einem Plastikschwert gegen den gewalttätigen Liebhaber verteidigen. Und auch der zweijährige Lorenz ist nach einer ärztlichen Behandlung bereits traumatisiert. Einschlafen kann er nur im Sitzen, jedes Wickeln ist ein Drama, ebenso wie das Putzen der Nase.

Der Hamburger Arzt Andreas Krüger, selbst Vater von vier Kindern, ist Traumatherapeut für Kinder und Jugendliche. Für seine drei Patienten findet er jeweils eigene Wege, das Erlebte altersgemäß zu verarbeiten. Dabei lernt Lorenz mit Hilfe von Matrjoschka-Puppen, dass der innere verletzte Anteil in ihm versorgt werden muss. Nicolas erfährt durch auf sein Verständnis zugeschnittene Zeichnungen und Erläuterungen zum menschlichen Gehirn, was genau während des Traumas mit ihm passiert ist. Auch, was man tun kann, um es zu heilen. Lilly hingegen kann dank der Bildschirm-Beobachter-Technik am Ende der Therapie das ganze Schreckensereignis Bild für Bild noch einmal durchgehen, ohne einen Flashback zu erleiden.

Psychologie-Expertin Liz Wieskerstrauch dreht regelmäßig Filme, die sich mit Krankheitsbildern und ihrer Therapie auseinandersetzen. Ihr Film „Höllenleben - Eine multiple Persönlichkeit auf Spurensuche“ war 2002 für den Grimmepreis nominiert. „Wie Kinder wieder lachen lernen“ dürfte vor allem für Eltern interessant sein, deren Kinder selbst Symptome einer posttraumatischen Belastung zeigen. Traumatherapeuten, die sich auf die Behandlung von Kindern spezialisiert haben - wie der im Film porträtierte Andreas Krüger - sind momentan noch schwer zu finden. Wieskerstrauchs Film, der mit unaufgeregter Kamera lange bei den Schilderungen von Patienten, Eltern und Therapeut bleibt, gibt Einblicke in ein wenig bekanntes Krankheitsbild und seine Therapie. 

Eric Leimann 

Mit freundlicher Genehmigung von teleschau | der mediendienst

 

Zum Beitrag in der ARD mediathek:

"Wie Kinder wieder lachen lernen" 

 

 

Weitere Informationen: 

Website des Vereins "Ankerland" - Hilfe für traumatisierte Kinder 

 

Bücher von Andreas Krüger: 

"Powerbook - Erste Hilfe für die Seele" (Selbsthilfebuch für traumatisierte junge Menschen) 

"Erste Hilfe für traumatisierte Kinder"

"Akute psychische Traumatisierung bei Kindern und Jugendlichen"

"Psychodynamisch-imaginative Traumatherapie für Kinder und Jugendliche" (gemeinsam mit Luise Reddemann)