Willi Butollo und Regina Karl: Dialogische Traumatherapie

Butollo, W. & Karl, R. (2012). Dialogische Traumatherapie. Manual zur Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung. Stuttgart: Klett-Cotta.

Das Praxishandbuch von Prof. Dr. Willi Butollo und Dr. Regina Karl richtet sich an PsychotherapeutInnen und interessierte Personen. Viele Individuen mit Traumatisierungen und Traumafolgestörungen ziehen sich von ihren Mitmenschen und Bezugspersonen zurück. Das erweckt den Eindruck, dass sie Einsamkeit und Isolation besser aushalten als mit anderen in Kontakt zu sein. Aus ihren langjährigen Tätigkeiten haben der Autor und die Autorin solche Erfahrungen bei Menschen, die Traumatisierungen erlebten, beobachten können. Gerade auf diesen Erkenntissen baut die von ihnen entwickelte “Dialogische Traumatherapie” mit spezifischen Interventionen auf. Das primäre Therapieziel ist, bei TraumapatientInnen das Vertrauen in die Menschen und in die Welt wiederherzustellen. Dabei gilt es, Kontakte aufzubauen, um die abhandengekommene Beziehungsfähigkeit, Sichtbarkeit und Lebendigkeit wieder zu erleben.

Das Praxishandbuch ist äußerst anwendungsorientiert und enthält viele, sehr hilfreiche Übungen. PsychotherapeutInnen wird somit ein sicheres Behandeln in allen Phasen ermöglicht. Die „Dialogische Traumatherapie“ möchte über eine reine Symptomreduktion hinausgehen und setzt Bausteine der kognitiven Verhaltenstherapie in einen humanistischen, konkret gestalttherapeutischen, Rahmen.

Bei der  “Dialogischen Traumatherapie” nehmen die TherapeutInnen eine konsequente dialogische Haltung ein. Diese spiegelt sich wider im klaren Bezug zu individuellen, persönlichen Werten, in der Wahrnehmung eigener Bedürfnisse und in der Fähigkeit zur Wahrnehmung der anderen Person mit ihren – häufig anderen – Werthaltungen. Im Kontakt mit ihren PatientInnen geben die TherapeutInnen über ihr gegenwärtiges Erleben in der aktuellen Begegnung Auskunft. Der Austausch wird im gegenseitigen Respekt ausgehandelt, während eine intakte Grenze zwischen beiden vorhanden ist. Die TherapeutInnen sind also bereit, ihren inneren Prozess ungeschönt mitzuteilen.

Das Manual gliedert sich in insgesamt 14 Kapitel. Zuerst erfolgt eine Einführung in die Grundprinzipien der „Dialogischen Traumatherapie“. Das zweite Kapitel erörtert die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) u. a. hinsichtlich der diagnostischen Kriterien, des Verlaufs, der Epidemiologie, der Entstehung der PTBS aus humanistischer Sicht / dialogischer Sicht sowie die dialogische Haltung. Der Behandlungsablauf und die therapeutischen Schwerpunkte (z.B. Symptomorientierung, Ressourcenaktivierung, Kontakt- und Beziehungsgestaltung) werden ausführlich geschildert. Nach der tabellarischen Aufgliederung des Aufbaus der Therapie werden die insgesamt vier Phasen im Detail beschrieben: I. Sicherheit, II. Innere Stabilität – „Selbst“-Sicherheit, III. Konfrontation und IV. Integration. Bei den therapeutischen Arbeitsprinzipien werden verschiedene Methoden wie Bindungsunterstützung vorgestellt. Auch Reflexion und Rückfallprophylaxe sowie Indikatoren für den Therapieabschluss werden berücksichtigt. Ferner stellen der Autor und die Autorin Evaluationsergebnisse vor. Das letzte Kapitel umfasst mehrere hilfreiche Übungen und Techniken der Traumatherapie.