Kirsten Stang und Ulrich Sachsse: Trauma und Justiz

Stang, K. & Sachsse, U. (2014). Trauma und Justiz. Juristische Grundlagen für Psychotherapeuten – psychotherapeutische Grundlagen für Juristen (2., vollständig überarbeitete Auflage). Stuttgart: Schattauer. 

Dieses Referenzwerk wurde von der Oberstaatsanwältin Kirsten Stang und dem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie bzw. Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Prof. Dr. med. Ulrich Sachsse gemeinsam verfasst.

Das Buch ist ein Muss für PsychotherapeutInnen und JuristInnen, die mit Opfern von Straftaten konfrontiert sind. Die zweite Auflage trägt den aktuellen gesetzlichen Änderungen in der Bundesrepublik Deutschland, v. a. Zweites Opferrechtsreformgesetz, Gesetz zur Stärkung der Rechte von Opfern sexuellen Missbrauchs (StORMG), Rechnung.  

Die Gesellschaft und Politik befasst sich zunehmend mit Traumatisierungen und Traumafolgestörungen und den Umgang der Justiz mit Betroffenen und Opfern (z.B. Runder Tisch Sexueller Kindesmissbrauch in Deutschland). Auf der einen Seite müssen sich PsychotherapeutInnen, die Opfer von Gewalttaten behandeln, mit juristischen Begriffen, Implikationen und Konsequenzen vertraut machen. Sie sind aufgefordert, sich in der Arbeit mit den Opfern z.B. mit Gutachten, Verfahren, Verhandlungen und Urteilen auseinanderzusetzen. Oftmals spielt die Frage eine Rolle, ob eine Anzeige sinnvoll oder eher retraumatisierend ist. Auf der anderen Seite sind für JuristInnen psychologische und psychotherapeutische Aspekte in den Verfahren von Relevanz. Genau an diesen Schnittstellen setzt das Buch an: PsychotherapeutInnen werden mit juristischem Grundlagenwissen versorgt. Ziel ist es, den PatientInnen die bestmögliche Hilfestellung und Empfehlung zu geben, ob eine Anzeige Sinn macht oder mit einer Retraumatisierung verbunden sein könnte. JuristInnen werden u. a. über Traumatherapie informiert.

In insgesamt 18 Kapiteln werden sämtliche relevante Aspekte im Feld von “Trauma und Justiz” behandelt: Stationen des Strafverfahrens, Gutachten, die Rechte des/der Beschuldigten und seines/ihrer VerteidigerIn, die Rechte und Pflichten des Opfers, die Therapeutin als Zeugin, Gerichtsverhandlung, Gesetze, traumazentrierte Psychotherapie versus juristische Verfahren etc. Das letzte Kapitel “Anzeigen! Anzeigen?”  behandelt eine häufig auftretende Frage: Kann einer Patientin / einem Patienten geraten werden, einen Täter / eine Täterin anzuzeigen oder sollte davon besser Abstand genommen werden?