Keine Rasterbehandlung in der Psychotherapie

Die DeGPT kritisiert den Gesetzesentwurf zum geplanten Eingriff in die Therapiehoheit im GVWG

Die Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT e.V.) kritisiert den Gesetzesentwurf von Bundesminister für Gesundheit, Jens Spahn, zum geplanten Eingriff in die Therapiehoheit im Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung (GVWG) und lehnt eine bürokratische Aushebelung der individuellen Diagnosestellung und Behandlungsplanung von ausgebildeten und hochkompetenten Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten durch rasterförmige Versorgungskonzepte ab. Sie unterstützt damit die Pressemitteilung der Bundespsychotherapeutenkammer vom 17. Mai 2021.

Besonders die Möglichkeit einer individuellen Verlängerung der ambulanten Psychotherapie bei stark belasteten und insbesondere komplex traumatisierten Patient*innen führt in vielen Fällen zu einer erheblichen Symptomreduktion. Höchstgrenzen für eben diese Patientinnen und Patienten müssen individuell durch die sorgsame und fachliche Beurteilung der behandelnden Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten geändert und ggfs. nach oben korrigiert werden können, statt sie der Willkür der Krankenkassen zu überlassen. Hier muss die gesetzliche Grundlage für eine auch längerfristige bedarfsgerechte psychotherapeutische Behandlung von massiv belasteten chronisch psychisch kranken Patient*innen geschaffen werden, anstatt den therapeutisch wirksamen Handlungsrahmen formal und bürokratisch einzugrenzen.

Der GBA hat schon den Auftrag in §92 6b erhalten, die Versorgung von schwer psychisch kranken Versicherten mit einem komplexen psychiatrischen oder psychotherapeutischen Behandlungsbedarf zu regeln. Der GBA wird bis Juli/August 2021 einen Vorschlag erarbeiten. Die Wirksamkeit dieser Regelungen sollten für weitere Schritte erst abgewartet werden.