Epigenetik und Kindheitstraumatisierungen

Klengel, T. et al. (2013). Allele-specific FKBP5 DNA demethylation mediates gene–childhood trauma interactions. Nature Neuroscience, 16, 33-41. doi: 10.1038/nn.3275

Traumatisierungen in der Lebenspanne führen sehr häufig zu Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) und/oder anderen psychischen Störungen. Die genetische Prädisposition scheint eine entscheidende Rolle dabei zu spielen, ob Opfer tatsächlich Traumafolgestörungen entwickeln.

Für die Studie wurden Daten von fast 2000 StudienteilnehmerInnen ausgewertet, die in der Kindheit oder im Erwachsenenalter schwer traumatisiert wurden. Klengel et al. verglichen die genetische Sequenzen von Traumaopfern mit PTBS mit jenen von Traumaopfern ohne PTBS. Das Risiko für PTBS nahm mit ansteigender Schwere der Traumatisierungen bei TrägerInnen einer speziellen genetischen Variante im Gen FKBP5 zu. Dieses Gen beeinflusst, wie ein Individuum auf Stresshormone reagiert und ist auch für die Regulierung des Stresshormonsystems zuständig. Enormer Umweltstress durch Traumatisierungen, verbunden mit extremer Ausschüttung und hoher Konzentration von Stresshormonen, scheint in einer epigenetischen Veränderung zu resultieren: Die DNA spaltet eine Methylgruppe ab, welche die Aktivität des FKBP5-Gens massiv erhöht. Diese permanente Veränderung ließ sich allerdings nur bei Personen, die im Kindesalter und nicht bei Personen, die ausschließlich im Erwachsenenalter traumatisiert wurden, nachweisen.

Bei Opfern von Kindheitstraumatisierungen scheint somit eine anhaltende Fehlsteuerung der Stress-Hormonachse vorzuliegen. Diese erhöht wiederum das Risiko für PTBS. Die Studie unterstützt das Verständnis von psychischen Störungen als Ergebnis eines Zusammenspiels von Umwelteinflüssen und genetischen Faktoren. Die Ergebnisse nützen auch der Entwicklung von effizienteren und individualisierten Behandlungsmethoden.