Kognitive Funktionen bei älteren Menschen mit Posttraumatischer Belastungsstörung

Schuitevoerder, S., Rosen, J. W., Twamley, E. W., Ayers, C. R., Sones, H., Lohr, J. B., Goetter, E. M., Fonzo, G. A., Holloway, K. J. & Thorp, S. R. (2013). A meta-analysis of cognitive functioning in older adults with PTSD. Journal of Anxiety Disorders, 27 (6), 550-558. doi: 10.1016/j.janxdis.2013.01.001

Kognitive Beeinträchtigungen gelten als Risikofaktor für die Entwicklung einer Posttraumatischen Belas-tungsstörung (PTBS). Eine PTBS kann aber auch zu neuro-kognitiven Beeinträchtigungen führen. Außerdem ist PTBS gemäß bisheriger Studien bei älteren Menschen mit erhöhtem Demenzrisiko verbunden.  Art, Schwere, Häufigkeit und Dauer traumatischer Erlebnisse sowie prämorbider und derzeiti-ger Gesundheitsstatus und Bildung können wiederum Leistungen in kognitiven Tests bei Menschen mit PTBS beeinflussen. Bis dato war unklar, ob ältere Menschen mit PTBS tatsächlich schlechter in kognitiven Tests im Vergleich zu älteren Menschen ohne PTBS abschneiden. Haben ältere Menschen (ab 62 Jahren) mit PTBS Defizite in neuro-kognitiven Funktionen wie Arbeitsgedächtnis oder Exekutivfunktionen?

Ein systematisches Review und eine Metanalyse von insgesamt 11 Studien wollten diese Frage beantworten. Die 11 Studien hatten Holocaust-Überlebende und Kriegsveteranen mit traumatischen Erlebnissen sowie unbeeinträchtigte Kontrollpersonen ohne traumatische Erlebnisse v. a. hinsichtlich der Prävalenz von Traumafolgestörungen untersucht. Das Alter der StudienteilnehmerInnen lag zwischen 62 und 80 Jahren. In die Auswertung miteinbezogen wurden verschiedene neuro-kognitive Bereiche von Tests und Subtests gängiger Testbatterien: Globale kognitive Funktion (Mini Mental Status Test), prämorbide (verbale) Intelligenz, Verarbeitungsgeschwindigkeit, Aufmerksamkeit und Arbeitsgedächtnis, Lernen / Merkfähigkeit, Gedächtnis, Sprache, visuospatiale Fähigkeiten (Fähigkeit, räumliche Proportionen, abzuschätzen), Exekutivfunktionen (Inhibition und kognitive Flexibilität) und Feinmotorik. 

Die Metaanalyse konnte zeigen, dass ältere Menschen mit PTBS signifikant niedrigere Werte in allen neuro-kognitiven Bereichen aufwiesen. Dies galt sowohl für den Vergleich mit der Gruppe der älteren Menschen ohne PTBS (aber mit traumatischen Erlebnissen) als auch für den Vergleich mit der unbeeinträchtigten Kontrollgruppe. PTBS zeigte einen moderaten Einfluss auf die beeinträchtigte Neurokognition (hinweg über alle inkludierten Studien, Stichproben und kognitiven Bereiche).

Die Ergebnisse der Metaanalyse unterstützen die Notwendigkeit von kognitiver Förderung und kognitiven Trainings bei älteren Menschen mit PTBS. Expositionsbasierte Traumaverfahren verlangen ein intaktes Gedächtnis und Erinnerungsvermögen an traumatische Ereignisse. Psychologische und Psychotherapeutische Interventionen bei älteren Menschen mit PTBS sollten daher kognitive Beeinträchtigungen berücksichtigen.