Traumaexposition und Flüchtlingsstatus als Prädiktoren von psychischen Erkrankungen bei Flüchtlingen – Implikationen für die Behandlung

Knipscheer, J.W., Sleijpen, M., Mooren, T.,  ter Heide, J.J., van der Aa, N. (2015). Trauma exposure and refugee status as predictors of mental health outcomes in treatment-seeking refugees. BJPsych Bulletin 1-4, doi: 10.1192/pb.bp.114.047951

In dieser Studie gingen die Autoren der Frage nach, wie sich Flüchtlingsstatus und Traumaexposition, d.h. die Anzahl und Art der traumatischen Ereignisse auf den Schweregrad der Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD) und Depression bei Asylsuchenden und Flüchtlingen auswirken. Insgesamt nahmen 688 Flüchtlinge und Asylsuchende eines niederländischen Behandlungszentrums an der Studie teil. Als Flüchtlinge sind dabei Personen definiert, die bereits einen temporären oder permanenten Status haben. Asylsuchende befinden sich noch in laufenden Verfahren für die es noch keinen Entscheid gibt. Drei hauptsächliche Herkunfts-Regionen konnten identifiziert werden: 58% kamen aus einem Herkunftsland im nahen Osten (z.B. Afganistan, Irak, Ägypten, Libyen), 17% aus subsaharischen Staaten Afrikas (z.B. Burkina Faso, Eritrea, Kongo) und 16% aus der Balkanregion (z.B. Bosnien, ehem. Jugoslawien, Kroatien). Die Ergebnisse der Studie zeigten interessanter Weise, dass die Anzahl der traumatischen Ereignisse, und nicht die Art der Ereignisse für den Schweregrad der PTSD und der Depression ausschlaggebend waren. Ebenso zeigte sich bei Personen ohne Flüchtlingsstatus, d.h. bei Asylsuchenden, ein höheres Ausmass an Symptomen.

Was könnte das Ergebnis, dass die Anzahl, nicht die Art des traumatischen Ereignisses den Schweregrad der Symptomatik erklärt, für die klinische Praxis bedeuten? Nach Ansicht der Autoren sollten Behandlungsverfahren für diese Zielgruppe so ausgerichtet werden, dass eine grosse Anzahl traumatischer Erfahrungen in einem angemessenen Zeitrahmen behandelt werden kann. Dies könnte nach Meinung der Autoren etwa durch den Einsatz von Verfahren wie Narrativer Expositionstherapie und traumafokussierter kognitiver Therapie realisiert werden.

Einen Link zur Studie finden Sie hier:

http://pb.rcpsych.org/content/early/2015/05/22/pb.bp.114.047951