Traumatische Ereignisse und posttraumatische Belastungsstörungen bei im Ausland eingesetzten Soldaten: Wie hoch ist die Dunkelziffer?

Wittchen, H.-U., Schönfeld, S., Kirschbaum, C., Thurau, C., Trautmann, S., Steudte, S., Klotsche, J., Höfler, M., Hauffa, R., & Zimmermann, P. (2012). Deutsches Ärzteblatt International, 109 (35-36), 558-568. doi: 10.3238/arztebl.2012.0559

Bisher fehlten Daten zur Häufigkeit von traumatischen Erlebnissen und Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) bei deutschen Soldatinnen / Soldaten, die bei Auslandseinsätzen in Afghanistan beteiligt waren. 

Wittchen et al. verglichen 1483 Soldatinnen / Soldaten mit Auslandseinsatz mit 889 Soldatinnen und Soldaten, die noch keinen Auslandseinsatz hatten. Die Studienteilnehmerinnen / -teilnehmer wurden durchschnittlich 12 Monate nach ihrem Einsatz mit dem Munich-Composite International Diagnostic Interview (DIA-X/M-CIDI; DSM-IV-TR-Kritieren) befragt. 

Fast die Hälfte (49.2%) der Soldatinnen / Soldaten mit Auslandseinsatz berichteten 1 traumatisches Ereignis, 13% mehr als 3 traumatische Ereignisse im Zuge des Auslandseinsatzes. Die 12-Monats-Prävalenz der PTBS betrug 2.9%, die einsatzbezogene Inzidenz 0.9%, was einem 2-bis 4-fach erhöhten PTBS-Risiko entspricht. Lediglich jede zweite Soldatin / jeder zweite Soldat mit PTBS hatte professionelle Unterstützung beansprucht. 

Auslandseinsätze bedeuten also für Soldatinnen / Soldaten häufige traumatische Erlebnisse und sind mit einem erhöhten PTBS-Risiko verbunden. Es entwickeln somit pro Jahr ca. 300 von 10000 Soldatinnen / Soldaten nach ihrer Einsatzrückkehr eine PTBS.