Verläufe von Traumafolgen bei ehemaligen politisch Inhaftierten der DDR. Ein 15-Jahres-Follow-up

Maerker, A., Gäbler, I., & Schützwohl, M. (2012). Nervenarzt, doi: 10.1007/s00115-012-3646-y

Sowohl politische Verfolgung als auch politisch bedingte Inhaftierung sind zweifelsohne potentiell traumatische Ereignisse, die bei Betroffenen sehr häufig zu posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) und andere Traumafolgestörungen führen. In den 40 Jahren der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) wurden mehr als 200.000 BürgerInnen aus politischen Gründen oder Unterdrückung eingesperrt und oftmals mit körperlichen und/oder psychischen Foltermethoden gequält.

Bei einer Ersterhebung im Jahr 1994 waren 146 ehemalige politisch Inhaftierte der DDR befragt und mit einer Kontrollgruppe verglichen worden. Alle StudienteilnehmerInnen berichteten von traumatischen Erlebnissen (Folter, Gewalt, Einzelhaft etc.). Die PTBS bildete mit 29,1% die häufigste Traumafolgestörung.

In einer Folgestudie nach 15 Jahren (2008) wurden 93 Personen der Ersterhebung erneut untersucht. Die PTBS-Prävalenzrate betrug 32,6%. Somit litt jeder dritte ehemalige politische Gefangene der DDR zum Befragungszeitpunkt 2008 nach wie vor unter den psychischen Folgen der Inhaftierung.

Weitere spannende Ergebnisse und Berichte von dieser Langzeitstudie können Sie hier nachlesen: 

Maercker, A., Gäbler, I., O’Neil, J., Schützwohl, M., & Müller, M. (2012). Long-term trajectories of PTSD or resilience in former East German political prisoners. TORTURE - Journal on Rehabilitation of Torture Victims and Prevention of Torture. Ahead of print unter http://www.irct.org/Files/Filer/TortureJournal/AOP/2011-21-4%20AOP.pdf

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/52171/Politische-DDR-Haeftlinge-leiden-noch-immer-unter-Traumafolgen

http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/regioline_nt/berlinbrandenburg_nt/article110297160/DDR-Haeftlinge-leiden-noch-heute-unter-Traumafolgen.html