Tipps für die TherapeutInnen-Suche in Deutschland

Um Ihnen die Suche nach geeigneten PsychotherapeutInnen zu erleichtern, haben wir einen Wegweiser, der demnächst überarbeitet wird, mit einigen hilfreichen Hinweisen für Sie zusammengestellt:

(Tipps für Österreich, die Schweiz und Luxemburg werden ebenfalls in Kürze verfügbar sein)

Was gilt es zu beachten, wenn man sich auf die Suche nach PsychotherapeutInnen macht? Diese Tipps helfen, den Überblick zu bewahren:

 

Eine wichtige Überlegung vorab: Gesetzlich oder privat versichert?

Wenn Sie bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sind, benötigen Sie eine/n TherapeutIn, der/die über eine Kassenzulassung verfügt.

Privat Krankenversicherte sollten vorab klären, in welchem Umfang ihre Krankenversicherung Leistungen für Psychotherapie übernimmt. Jede Versicherung gestaltet hierzu andere Bedingungen. Informationen zur Kostenübernahme können Sie in Ihrem Versicherungsschein nachlesen oder direkt über den Kundenservice Ihrer Versicherung erfragen.

 

Welches Therapieverfahren passt zu mir?

Jeder nach DeGPT zertifizierte Traumatherapeut hat auch eine Ausbildung in einem anerkannten Therapieverfahren absolviert, das die Grundlage seines therapeutischen Arbeitens darstellt. Für alle unten aufgeführten Therapieverfahren übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen derzeit die Kosten. Jede dieser drei Richtungen vertritt eine etwas unterschiedliche Auffassung bezüglich der Entstehung und Behandlung psychischer Beschwerden:

  • Verhaltenstherapie: Der Verhaltenstherapie liegt die Annahme zugrunde, dass das Erleben und Verhalten einer Person das Ergebnis vieler einzelner Lernerfahrungen im Laufe eines Lebens ist. Jede Erfahrung, ob angenehm oder unangenehm, trägt so dazu bei, dass wir uns ein bestimmtes Repertoire an erlernten Verhaltens- und Erlebensmustern aneignen. Problematische Muster, die bei der betreffenden Person oder ihrer Umgebung Leidensdruck verursachen, können so in eine psychische Erkrankung münden. Die Aufgabe des Therapeuten besteht darin, problematische Verhaltens- und Erlebensmuster aufzuspüren und gemeinsam mit dem Patienten eine neue, angemessenere Vorgehensweise zu erarbeiten und einzuüben.
  • Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie: Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist eine Weiterentwicklung der Psychoanalyse und teilt mit dieser viele Gemeinsamkeiten. Ausgangspunkt für eine psychische Erkrankung ist in der tiefenpsychologischen Sicht ein so genannter „zentraler Konflikt“, der sich aus dem Zusammenspiel persönlicher Eigenheiten und vergangener Erfahrungen ergibt. Der Therapeut unterstützt den Patienten dabei, Einsicht in die Ursachen und Zusammenhänge seiner Probleme zu erhalten und so Veränderungen in seinem Erleben und Verhalten herbeizuführen.
  • Analytische Psychotherapie: Die Psychoanalyse ist die älteste Form der Psychotherapie. Sie geht davon aus, dass die Ursachen psychischer Beschwerden in den verdrängten Gefühlen und Erinnerungen des Betreffenden liegen. Entsprechend lassen sich die Ursachen und Lösungen für diese Probleme in der Vergangenheit und im Unbewussten finden. Der Therapeut ermöglicht dem Patienten, die Konflikte prägender Entwicklungsphasen erneut zu durchleben, um sie so verarbeiten zu können. Dabei kommen Methoden wie Analyse von Übertragung und Gegenübertragung, freie Assoziation oder Traumdeutung zum Einsatz.

Mittlerweile nehmen viele Therapeuten in ihrer täglichen Praxis keine so strenge Trennung der Verfahren mehr vor, sondern verwenden häufig auch Methoden anderer Verfahren. Am besten, Sie erkundigen sich im Erstgespräch genauer, welche Methoden bei dem jeweiligen Therapeuten zum Einsatz kommen.

 

Kontaktaufnahme

Am einfachsten treten Sie mit dem Therapeuten Ihrer Wahl in Verbindung, indem Sie dort anrufen und sich nach einem Termin für eine Probesitzung (s. u.) erkundigen.

Gegenwärtig herrscht eine große Nachfrage nach Therapieplätzen bei einer vergleichsweise geringen Zahl an ambulanten Traumatherapeuten, weshalb man sich häufig auf eine gewisse Wartezeit einstellen muss. Es empfiehlt sich daher, gleich mit mehreren Therapeuten in Kontakt zu treten und sich einen Wartelistenplatz zu sichern. So erhöhen Sie Ihre Chancen, möglichst bald mit der Therapie beginnen zu können. Das Wichtigste ist, dass Sie sich nicht entmutigen lassen, selbst wenn es längere Zeit in Anspruch nehmen sollte, den passenden Therapieplatz zu finden.

 

Der erste Termin

Bringen Sie zum Ersttermin Ihre Versichertenkarte mit. Für gesetzlich Versicherte empfiehlt es sich, am besten auch schon an eine Überweisung des Hausarztes zu denken. Ohne Überweisung wird es erforderlich sein, 10 € Praxisgebühr zu entrichten.

 

Die Probesitzungen

Als gesetzlich Versicherter haben Sie die Möglichkeit, je nach gewähltem Therapieverfahren fünf (Verhaltenstherapie und tiefenpsychologisch fundierte Therapie) bis acht (Psychoanalyse) Probesitzungen in Anspruch zu nehmen. Während dieser Sitzungen sollten Sie für sich prüfen, ob die Passung zwischen Ihnen und dem Therapeuten stimmt. Hilfreiche Fragen, die Sie sich selbst stellen können, sind zum Beispiel: „Kann ich mir vorstellen, mit diesem Therapeuten langfristig zusammenzuarbeiten?“ oder „Fühle ich mich gut aufgehoben?“. Hören Sie auf Ihr Gefühl.

 

Der Antrag auf Kostenübernahme

Wenn Sie sich im Laufe der Probesitzungen mit Ihrem Therapeuten auf eine weitere Zusammenarbeit geeinigt haben, stellt dieser bei Ihrer Krankenkasse einen Antrag auf Übernahme der Behandlungskosten. Diesem Antrag muss ein sogenannter ärztlicher Konsiliarbericht beigelegt werden. Bei nichtärztlichen Therapeuten ist es daher erforderlich, zusätzlich einen Arzt mit einzubeziehen. Sie können zum Beispiel in Ihrer Hausarztpraxis anfragen, ob man dort Konsiliarberichte ausstellt und einen Termin vereinbaren.

Manchmal erbittet der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) zusätzlich einen ausführlichen Bericht, um die Gründe für die Behandlung genauer zu prüfen. Dieser wird von Ihrem Therapeuten verfasst und direkt an den MDK verschickt. Die Sachbearbeiter Ihrer Krankenkasse erfahren so nichts von Ihrer persönlichen Krankengeschichte.

 

Wie viele Therapiesitzungen genehmigt die Krankenkasse?

Wie viele Therapiesitzungen die Krankenkasse genehmigt, richtet sich ganz maßgeblich nach Art und Umfang Ihrer Beschwerden und dem Verlauf der Behandlung. Die Krankenkasse stützt sich hierbei auf die gültigen Psychotherapierichtlinien, wobei je nach Sachlage eine deutliche Erhöhung der Gesamtstundenzahl möglich ist.