Akute Belastungsreaktion

Die akute Belastungsreaktion ist eine unmittelbare Reaktion des Organismus auf das traumatische Ereignis und Ausdruck der hierdurch ausgelösten heftigen Stressreaktion. Bereits während des traumatischen Erlebnisses kann es zu ersten Symptomen kommen. Viele Menschen nehmen noch in der akuten Bedrohungssituation wahr, wie eine innere Distanzierung von dem Erlebten einsetzt: Das Bewusstsein engt sich ein, ein Gefühl von Betäubung und Unwirklichkeit macht sich breit, das Geschehen wird wie von außen oder nur in wenigen Einzelheiten wahrgenommen oder gänzlich ausgeblendet. Man spricht von einer "peritraumatischen Dissoziation", einer Abspaltung des Bewusstseins im Sinne einer Schutzreaktion der Psyche gegen eine Stressüberflutung durch das Trauma.

In der Folge ergibt sich ein vielfältiges und wechselndes Beschwerdebild.  Noch in der Akutphase kann es zu Desorientiertheit und einer Einschränkung der Aufmerksamkeit kommen, zusätzliche Reize können nicht verarbeitet werden. Die Betroffenen sind unruhig oder innerlich wie erstarrt. Typisch ist das sogenannte "sprachlose Entsetzen", die Unfähigkeit, das Erlebte in Worte zu fassen. Begleitet wird dieser Zustand von einer überschießenden vegetativen Reaktion mit Herzrasen, Schwitzen, Errötung oder Blässe und Übelkeit. Viele Menschen durchleben ausgeprägte Gefühlsschwankungen und schnelle Wechsel von Trauer, Wut oder scheinbarer Teilnahmslosigkeit und ziehen sich von ihrer Umwelt zurück.

Später kommt es im Rahmen der posttraumatischen Stressverarbeitung dann häufig zu lebhaften und realistisch erscheinenden Wiedererlebensphänomenen (Intrusionen) wie Albträumen und sich aufdrängenden Erinnerungen (Flashbacks), häufig auch in Form von Geräuschen oder Gerüchen, die von einer intensiven emotionalen Reaktion und Angst begleitet sein können. Die Betroffenen zeigen ein allgemein erhöhtes Erregungsniveau (Hyperarousal) mit innerer Anspannung und einer übersteigerten Aufmerksamkeit für äußere Reize, Schreckhaftigkeit, Reizbarkeit und Schlafstörungen. Zusätzlich kann eine große Angst vor Personen, Orten, Gegenständen oder Situationen bestehen, die Erinnerungen an die traumatische Erfahrung auslösen könnten. Aus diesem Grunde werden entsprechende "Trigger" zumeist gemieden.

Die beschriebenen Symptome können in Abhängigkeit von der Schwere des Traumas und den jeweils verfügbaren persönlichen Bewältigungsressourcen bei jedem Menschen auftreten. Häufig wird der posttraumatische Stress nach und nach abgebaut, so dass sich die Symptome innerhalb von Stunden bis Tagen zurückbilden. Unter bestimmten Umständen können die Beschwerden jedoch auch anhalten und eine akute Belastungsreaktion in eine posttraumatische Belastungsstörung übergehen. Um dem vorzubeugen, können gegebenenfalls unterstützende Maßnahmen hilfreich sein. 

 

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