Peritraumatische Dissoziation

Im Hochstress des Traumas kommt es im Rahmen einer Notfallreaktion zu einem Verlust der sogenannten integrativen Funktionen des Gehirns. Durch eine Veränderung der Wahrnehmung und der Informationsverarbeitung wird eine innerliche Distanz zum Traumageschehen und zur eigenen emotionalen Reaktion erzeugt. Die Betroffenen erleben das Geschehen als unwirklich (Derealisation) oder nehmen sich als äußere Betrachter wahr (Depersonalisation), bestimmte Sinneseindrücke erscheinen ausgeblendet, andere womöglich überdeutlich. Eine Erinnerung an das Geschehen ist manchmal später nur bruchstückhaft oder gar nicht vorhanden (dissoziative Amnesie).

Diese während eines Traumas sowie unmittelbar danach auftretenden Veränderungen bezeichnet man als "peritraumatische Dissoziation". Diese zunächst hilfreiche und schützende Reaktion des Körpers ist jedoch gleichzeitig ein Risikofaktor für die spätere Entwicklung einer Traumafolgestörung. Zwar bildet sich die dissoziative Symptomatik in den meisten Fällen wieder zurück, doch kann die während der peritraumatischen Dissoziation gestörte Informationsverarbeitung zu Schwierigkeiten in der anschließenden psychischen Verarbeitung des Geschehenen führen. Eine anhaltende dissoziative Störung oder posttraumatische Belastungsstörung kann die Folge sein.